Phakinee

ภคินี ดอกไม้งาม

Experte Ahnungslos in Bangkok

Eindeutig mehr Ahnung von Thailand als der Leiter des Bangkoker Büros der „Friedrich-Naumann-Stiftung-für-die Freiheit“ haben derzeit die Karikaturisten. (Zeichnung: © Shucking Korn)

„Nein, das ist kein Putsch!“

Bangkok. Obwohl es nicht erst seit gestern auch in deutscher Sprache höchst informative Quellen zur thailändischen Politik gibt (zum Beispiel die hier vorgestellten: Bessere Thailand Information), frage ich mich, um wieviel oberflächlicher die Berichte auch namhafter deutscher Medien über Thailand eigentlich noch werden können? Wer war zum Beispiel der Herr, der heute Mittag im Deutschlandfunk (20. Mai 2014, 12.15 Uhr bis 12.20 Uhr) sein Nichtwissen zum Kriegsrecht in Bangkok verbreitete?

Vor ihm durfte bzw. mußte man sich erst noch über den Korrespondenten der Rundfunkanstalt ergötzen, der seine eigenen Recherchen zum Besten gab. Ganz aktuell wußte der zum Beispiel brühwarm von „aufgepflanzten Maschinengewehren“ der Militärs in Bangkok zu berichten. Wie aufregend! Ob die von Singapur aus beobachteten Maschinengewehre etwa auf die Verkehrs-Pömpel der aus dem Süden Thailands in die Hauptstadt gekarrten PDRC-Schlägertruppen „aufgepflanzt“ waren?

Aber zurück zum befragten Experten, vorgestellt als Leiter des Bangkoker Büros der, wie es immer so schön um den heißen Brei herum gesagt wird, „FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“.

Der untadelige ehemalige FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt ist seit 2006 das öffentliche Gesicht der „Friedrich-Naumann-Stiftung-für-die-Freiheit“. Wahrscheinlich kann der Vorsitzende nichts für die Ahnungslosigkeit im Bangkoker Büro. (Bild: Wikipedia)

Nein, nein, der war es nicht!

Was hatte er zu bieten? Fünf Minuten nichtssagendes Geschwätz zum Beispiel über Verkehrsstaus (an die man aber – was für ein Glück! – in Bangkok ja gewohnt sei) und über sein – der eigenen Aussage nach zu schließen – aus den sozialen Medien bezogenes Thailand-Wissen. Ausweichen bei jeder konkreten Frage. Am Moderator Jasper Barenberg lag es nicht, der versuchte während des gesamten Interviews ebenso tapfer wie nahezu vergeblich, dem „Experten“ irgendwelche Fakten oder wenigstens eine klare Meinung über das heute früh verhängte Kriegsrecht oder überhaupt über die Situation in Thailand zu entlocken. Am stets ausweichenden Gesprächspartner biß er sich die Zähne aus. Im Vergleich zu diesem war Edmund Stoiber in seiner Hoch-Zeit als Kanzlerkandidat Rhetorik-Weltmeister.

Das geballte Bangkoker Kriegsrecht-Wissen des guten Mannes kam übrigens daher, daß ihm doch tatsächlich Kollegen frühmorgens erzählt hatten, daß an den wichtigen Kreuzungen in Richtung Bang Na ein paar Militärs mit Lastwagen herumstünden. Diese einzige handfeste Information wärend des gesamten Interviews, an die ich mich erinnere, gab er den geneigten Gebührenzahlern des Deutschlandfunks aus zweiter Hand weiter. Der politische Beobachter sieht auf seinem täglichen Weg ins Büro nämlich keine einzige Bangkoker Kreuzung, wie er einräumte.

So ein Pech. Aber das macht ja nichts, wahre Experten informieren sich heute auf Facebook und Twitter, was draußen vor ihrer Türe so alles abgeht, oder etwa nicht? Und kommen damit völlig zurecht in unsere überfinanzierten öffentlich-rechtlichen Medien, nicht wahr?

Ansonsten: Nein, nein, Angst habe er keine hier in Bangkok, …. noch nicht …. aaaber die Unsicherheit … wer weiß, wie es hier noch weitergeht…

Ja, ja, wer weiß das schon!

Und wenn die Militärs in Bangkok, wie heute, öffentlich „tiefsinnig“ … „doppelsinnig“ … „nicht unbedingt informativ“ …auf Fragen antworten, … sind „viele Interpretationen möglich“.

Richtig. Ganz anders als bestimmte Expertenaussagen aus den Thailand-Büros deutscher politischer Stiftungen. Da gibt es von vornherein überhaupt nichts zum Interpretieren, sondern nur noch den heißen Brei.

Sinngemäße Frage: „Handelt es sich denn nicht um einen Putsch?“ – Äh, hm, tja, schwierig zu deuten. …

Undsoweiter undsofort.

Eindeutig mehr Ahnung von Thailand als der Leiter des Bangkoker Büros der „Friedrich-Naumann-Stiftung-für-die Freiheit“ haben derzeit die Karikaturisten. (Zeichnung: © Shucking Korn)

Was geht in Bangkok ab?

Kein Wort dazu, wie das Militär eigentlich dazu kommt, das Kriegsrecht durchzusetzen, ohne daß es sich jedoch um einen Putsch handeln soll. Kein Wort über die vorgeschoben-monarchistischen Antidemokraten und ihren nützlichen Idioten aus dem strohdummen Teil des Bangkoker Bürgertums, die ausschließlich um ihre Töpfe der Macht besorgt sind und eine Art buddhistischen Feudalstaat nach Taliban-Muster in Thailand einrichten wollen, in dem der Mehrheit der Bürger das Wahlrecht beschnitten wird. Und nicht einmal eine Andeutung dazu, daß die finsteren Militäroberen Thailands schon immer die korrupteste Institution dieses Landes waren und sind, und hinter sämlichen undemokratischen Regierungswechseln der letzten Jahre standen. Von gelegentlichen kleinen Massakern an der Bevölkerung mal ganz abgesehen.

Kein Wort hörte man davon, daß Militärs, Gerichte, Beamte (darunter auch derjenige, den die deshalb wegen angeblicher Korruption ihres Amtes enthobene Premierministerin Yinglak Chinnawat auf einen anderen Posten versetzt hatte), undemokratisch ernannte Senatoren, sowie die Chefs halbstaatlicher Institutionen offen gegen die gewählte Regierung arbeiten und ihre Arbeit verweigern.

Kein Wort schließlich auch davon, wie offen sich seit Monaten in Bangkok Schlägerbanden, Mörder und jede Menge per Haftbefehl gesuchte sonstige Banditen zum Teil nach öffentlicher Ankündigung von weiteren Straftaten frei bewegen dürfen, vorausgesetzt sie stehen auf der „richtigen“ politischen Seite. Und natürlich auch kein Wort davon, daß in Thailand im Grunde eigentlich die demokratisch gewählte Regierung die Opposition in einer Militärdiktatur ist.

Im Gegenteil, dieser komplett ahnungslose „Experte“ lobte das Militär sogar noch dafür, daß es in Thailand seit 1991 nur einen Putsch (2006) und keinen einzigen Putschversuch gegeben hätte. Von der hohen Kunst des hiesigen Politik-Spiels wie etwa dem „Putsch durch vorsätzliches Nichtstun“ wie bei und nach der Besetzung des Flughafens Suwannaphum 2008 durch die Demokratiegegner aus dem Umfeld der sogenannten „Demokratischen Partei“ oder „Putsch durch die Juristen“ wie bei der Absetzung der Premierministerin Yinglak Chinnawat, hat dieser leitende Einfaltspinsel einer prestigeheischenden politischen Stiftung in Bangkok offenbar noch nie gehört.

Erstaunlich ist vor allem, daß verantwortliche Redakteure des Deutschlandfunks das Geschwätz eines derart ahnungslosen Vertreters der hauptsächlich aus Steuermitteln finanzieren Friedrich-Naumann-Stiftung offenbar als so wichtig ansehen, daß sie es ihren Hörern nicht besser zugunsten eines in aller Ruhe recherchierten eigenen Beitrags mit echten Informationen und fundierter Meinung vorenthalten hätten.

33 Antworten zu Experte Ahnungslos in Bangkok

  1. Pingback: Stimmen zum "ahnungslosen Geschwätz" eines NGO-Vertreters vor dem Putsch in Thailand - ThailandTIP

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