Phakinee

ภคินี ดอกไม้งาม

„Kampuchea“ und Vietnam

Ein im Jahre 1973 von der kambodschanischen Botschaft in Ostberlin vertriebenes Heft. Quelle: Cambodia to Kampuchea. Archive & Readings.„Klaus Behlings Buch zeigt beispielhaft auf, wohin ideologische Verblendung führen kann. In Kambodscha hat sie zu unzähligen Todesopfern und unvorstellbarem Leid geführt. Doch ideologische Verblendung kann auch heute, unter anderen Bedingungen und Voraussetzungen, wieder desaströse Folgen haben. Auch insofern ist dieses Werk von großer Aktualität.“ – So kommentiert Prof. Volker Grabowsky als Mit-Herausgeber der „Hamburger Südostasienstudien“ das soeben in dieser Reihe erschienene Buch von Klaus Behling: „Zwischen Bruderbund und Todfeindschaft: Kambodscha und Vietnam in den Jahren 1970 bis 1979 vor dem Hintergrund ihrer Beziehungen zum Ostblock.“ (Hinweis: Alle Bilder auf diesem Blog werden durch einfaches Anklicken vergrößert. Bei weiterem Vergrößerungsbedarf „in neuem Tab öffnen“ und nochmals anklicken.)

Grabowsky ist Historiker und Südostasien­wissen­schaftler am Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg. Er hat allen Grund, sich über den neuesten Beitrag für die seit 2008 erscheinende Buchreihe zu freuen. Der Autor, seines Zeichens Khmerist (Khmer-Sprachkundiger), Ex-Diplomat, Bestsellerautor und Journalist, ist aufgrund seiner Biographie wie nur wenige andere dafür prä­desti­­niert, einen substantiellen Beitrag aus erster Hand zur Aufarbeitung der damaligen Vorgänge in Südostasien aus deutscher Sicht zu liefern. Dazu mehr weiter unten.

Zum Inhalt des Buchs:

Documentary: Cambodian Genocide. – Pol Pot and the Khmer Rouge.Am zweiten Weihnachtstag des Jahres 1978 marschierte die Armee der „Sozialistischen Republik“ Vietnam in das das ebenfalls kommunistisch beherrschte Nachbarland Kambodscha der psychopathischen Roten Khmer, ein, das sich „Demokratisches Kampuchea“ nannte. Bereits am 7. Januar 1979 waren die vietnamesischen Verbände in Phnom Penh. Dort riefen Dissidenten der sozialistischen Mörder des eigenen Volkes unter Heng Samrin eine neue „Volksrepublik“ aus. Das bedeutete für Millionen Menschen in diesem ausgemergelten Land die Erlösung von einer vierjährigen Schreckenherrschaft, für hunderttausende von ihnen war es die Rettung vor dem ansonsten fast schon sicheren Tod. (Link zur Vorschau des Dokumentarfilms Cambodian Genocide, siehe Abbildung.)

Die dem Regime unter dem sozialistischen Massenmörder Pol Pot fanatisch ergebenen Kräfte (das waren etwa zwei Drittel der Kader) zogen sich darauf erneut, wie zuerst in den 1960er Jahren, in den Untergrund zurück, Von dort aus organisierten sie abermals einen „Widerstandskampf“ gegen die von der Sowjetunion und den meisten Ländern des Ostblocks – darunter die „DDR“ – unterstützte „Aggression Vietnams“. Dieser Dschungelkrieg dauerte nochmals mehr als zwölf Jahre.

Immer beste Beziehungen zu den sozialistischen Brüdern?

Alles Gute den Roten Khmer.

Vor und nach dem Ende der sozialistischen Herrschaft von Pol Pot hatte die „DDR“ sehr gute Beziehungen zu den ebenfalls sozialistischen vietnamesischen Vertreibern der Roten Khmer. Klaus Behling war schon vor dem Einzug von Pol Pots Schlächtern in Phnom Penh in der dortigen Botschaft tätig gewesen und wurde nach der Befreiung 1979 erneut nach Kambodscha berufen, diesmal als Geschäftsträger. In Ost-Berlin hatte man sich allerdings auch während der Zeit, in der Pol Pots hirngewaschene Schergen in Kambodscha gegen das eigene Volk wüteten, immer um gute Beziehungen mit der dortigen, ideologisch gleichgesinnten sozialistischen Verbrecherbande bemüht. Man lese den nebenstehenden Artikel, der noch im Jahr vor dem Einmarsch der Vietnamesen erschien. Schon während des Einmarsches mutierten die ehemaligen sozialistischen Brüder dann aber auch im Neuen Deutschland ganz flugs zu den gemeinen Halunken, die sie auch tatsächlich waren.

Aus der Geschichte lernen? Linke Massenmörder hatten immer „große Ziele“.

Aus der Geschichte lernen?

Immer wieder ins Staunen gerät, wer sich heute vor Augen führt, daß Kambodschas grausame linke Terroristen auch nach 1978 keineswegs nur etwa von China unterstützt wurden. (Das gilt allerdings auch für andere, teils monarchistische, teils pro-westliche, in jedem Falle aber antivietnamesische Gruppen.) Selbst die USA stützte jetzt die ehemaligen Dschungelkämpfer und ihre Vertreter bei der UNO, vor denen die hochgerüstete Weltmacht ein paar Jahre zuvor in chaotischer Weise aus Phnom Penh geflohen war. Daß die „BRD“-Regie-rung die kambodschanischen Massenmörder ebenso stützte, verwundert bei einem unter Besatzungshoheit stehenden Land wenig. Geradezu in Jubelarien auf ihre ideologischen Gesinnungsgenossen in Kambodscha ergoß sich die linksradikale westdeutsche außerparlamentarische sozialistische Opposition (mehr dazu weiter unten). Auf gleicher Linie lagen die ASEAN-Staaten einschließlich des „Frontstaats“ Thailand. In Bangkok verlängerte man durch die Duldung von Waffenlieferungen an die Pol-Pot-Schergen über das eigene Territorium die Leiden der kambodschanischen Bevölkerung und vermehrte die Opfer. Man bot der fanatischen Linken des Nachbarlandes sogar Rückzugsorte, während Thailands korrupte Militärdiktatoren im eigenen Herrschaftsbereich damals wie heute selbst gemäßigte liberale Stimmen oft rigoros zum Schweigen bringen.

Immer wieder „solidarisch“...

„Solidarisch“, wieder mal.

Vietnam begründete seine Invasion mit den permanenten Angriffen der Rote-Khmer-Krieger auf vietnamesische Grenzgebiete, die zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung gekostet hatten. Diese gab es tatsächlich. Außerdem diene, so las man allerdings erst etwas später, die vietnamesische „Spezialoperation“ der Vertreibung eines völkermörderischen Regimes, dessen agrar-kommunistischer Utopie wohl weit mehr als eine Million der acht Millionen Kambodschaner zum Opfer gefallen waren. Der auch „Dritter Indochinakrieg“ genannte Kambodscha-Konflikt (1979–1991) war neben dem Afghanistan-Abenteuer der Sowjetunion die letzte große Auseinandersetzung des 1989–91 zu Ende gegangenen Ersten Kalten Krieges zwischen Ost und West. Eine Art von Konflikt, der damals wie heute oft von „Stellvertretern“ auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene ausgefochten wurde und wird.

Der Krieg in und um Kambodscha liegt nun drei Jahrzehnte zurück. Die Erforschung seiner Ursachen steckt jedoch noch in den Anfängen. Kaum jemand forschte zum Beispiel darüber, weshalb eigentlich kambodschanische und vietnamesische Kommunisten, die noch in der ersten Hälfte der 1970er Jahre gemeinsam erfolgreich gegen den „USA-Imperialismus“ und gegen die von den USA gestützten Regime in Phnom Penh und Saigon gekämpft hatten, überhaupt zu Todfeinden werden konnten. War dieser erste „Rote Bruderkrieg“ unvermeidlich?

Noch im Jahre 1977, als der Grenzkrieg schon voll entfacht war, hatte Hanoi gegenüber Moskau und der Weltöffentlichkeit das Zerwürfnis mit der Führung der Roten Khmer bestritten. Ein Jahr später mutierten die Roten Khmer dann aber in neuer Sprachregelung fast über Nacht zur „genozidalen Pol Pot – Ieng Sary Clique“.

Welchen Anteil hatte die vietnamesische Führung an den Gewaltexzessen der Roten Khmer, die sie erst spät beenden half?

Klaus Behling, Geschäftsträger in Phnom Penh.

Klaus Behling in Phnom Penh.

Diesen und anderen Fragen stellt sich in dem vorliegenden Buch nun der 1949 in Damgarten in Vorpommern geborene Klaus Behling, der einst an der Humboldt-Universität zu Berlin Asienwissenschaften studiert hat und sich dort auf die Sprache und Kultur Kambodschas spezialisierte. Nach seinem Studium war Behling Kultur- und Presseattaché der DDR, zunächst in Phnom Penh (1972–1974), danach in Vientiane (1975–1977). 1979 entsandte man ihn noch einmal, diesmal als Geschäftsträger der wieder neu eingerichteten Botschaft, nach Kambodscha. Er erlebte und beobachtete Entwicklungen in Indochina aus unmittelbarer Nähe. Auch in anderen Ländern, etwa Rumänien (1981–1987) und zu einzelnen Aufgaben in Vietnam, war er diplomatisch tätig. Nach der Rückkehr lehrte er am „Institut für Internationale Beziehungen“ in Potsdam, das zur „Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften der DDR“ gehörte, einer den Universitäten gleichgestellten Akademie. Nach der Abwicklung dieser Institution verlegte er sich auf den Journalismus und schrieb zahlreiche Bücher, darunter einige bemerkenswerte Bestseller. Besonders kann ich den 2019 erschienenen Band Spur der Scheine. Wie das Vermögen der SED verschwand zum Lesen empfehlen.

Was viele Deutsche heute über Kambodscha nicht mehr wissen, ist zum Beispiel die Tatsache, daß dieses Land der letzte Schauplatz einer Anwendung der sogenannten Hallstein-Doktrin war. Als die kambodschanische Regierung unter Prinz Sihanouk die DDR im Mai 1969 völkerrechtlich anerkannte, brach Bonn die diplomatischen Beziehungen mit Phnom Penh ab.

Wie so oft bei oberlehrerhaften Disziplinierungsmaßnahmen durch arrogante Regierungen entpuppte sich die Bonner Strafaktion gegen Kambodscha als Rohrkrepierer; denn fortan war es natürlich die DDR, die das Bild Deutschlands in Kambodscha prägte. Sie hielt die diplomatischen Beziehungen zu Kambodscha auch nach dem Sturz Sihanouks unter dem US-gestützten Regime von Lon Nol aufrecht, diente sich danach auch den Roten Khmer an und war wiederum unter den ersten Staaten, die die neue „Volksrepublik Kampuchea“ im Jahre 1979 anerkannte.

Wie nur wenige andere Diplomaten hatte Klaus Behling zu dieser Zeit in Südostasien direkten Zugang zu kambodschanischen Entscheidungsträgern wie Hun Sen und Pen Sovann, aber auch zu vertraulichen Dokumenten vietnamesischer und sowjetischer Herkunft. Diese bislang unveröffentlichten Quellen machen zusammen mit der beachtlichen politischen Urteilskraft des Autors, der schon während seiner Tätigkeit am Institut für Internationale Beziehungen auch Artikel und Kommentare über die Entwicklung in Südostasien schrieb (siehe das nachfolgend abgebildete Beispiel), den großen Nutzen des Buches aus.Klaus Behling: USA-Kambodscha (Neues Deutschland, 1990). Behling fördert eine Vielzahl bemerkenswerter Einsichten zutage. Die vielleicht erstaunlichste ist die Unfähigkeit Vietnams, die internen Strukturen der Kommunistischen Partei Kampucheas (KPK, vom Autor meist als „Pol-Pot-Gruppierung“ bezeichnet) korrekt einzuschätzen.

Noch bis Anfang 1978 setzte Hanoi auf einen Kurswechsel innerhalb der kambodschanischen Führung, wobei sie nicht nur auf So Phim, den provietnamesischen Chef der Ostzone, sondern auch auf Nuon Chea, den zweiten Sekretärs der ständigen Ausschusses des ZK der KPK, setzte. Erst nach der Invasion setzte sich in Hanoi die Erkenntnis durch, daß Nuon Chea ein Meister der Geheimhaltung und Verstellung war und zwischen ihm und Pol Pot kein Blatt Papier passte.

Nützliche ldioten und aktive Propagandisten der Roten Khmer: Schuld und Schande der westlichen Gesinnungsgenossen.

„Bilder des freien Kambodscha“? Nützliche linke ldioten besorgten Pol Pots Propaganda im Westen.

„Bilder des freien Kambodscha“?

Zwischen Bruderbund und Todfeindschaft ist ein sehr informatives, reflektierendes, überaus spannendes und angenehm flüssig routiniert geschriebenes Buch, das ohne gestelztes Akademikerdeutsch auskommt.

Mehrere brisante Informationen werden dabei eher beiläufig erwähnt, obwohl – oder vielleicht auch weil – sie hochexplosiven aktuellen politischen Sprengstoff beinhalten. Es ist zum Beispiel kaum noch bekannt, daß sich selbst auf dem Höhepunkt der auch im Westen längst bekannten blutigen Säuberungen und Massenexekutionen in Kambodscha linke und linksextremistische Strömungen in ganz Westeuropa immer noch mit dem Terrorregime der Roten Khmer solidarisierten, und zwar bis zum bitteren Ende 1979 und sogar noch darüber hinaus.

Ich gestatte mir nachfolgend, dieses wichtige und zu oft vergessene Thema hier als Exkurs darzustellen.

Zum Beispiel besuchte noch wenige Wochen vor dem Einmarsch Vietnams nach Kambodscha (Weihnachten 1978) eine dreiköpfige Delegation unter der Leitung des langjährigen ersten Sekretärs des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW), Hans-Gerhart („Joscha“) Schmierer das „Demokratische“ Kambodscha, in dem zu diesem Zeitpunkt bereits ein Fünftel der Bevölkerung verhungert oder ermordet war. Die Delegation traf mit Pol Pot, Nuon Chea und Außenminister Ieng Sary zusammen. Anders als andere linke Delegationen, die bis Ende 1978 in die sozialistische Tyrannei pilgerten, nahm die KBW-Delegation sogar zu diesem extrem späten Zeitpunkt noch offizielle freundschaftliche Parteibeziehungen  zu den Roten Khmer auf. Die stramm totalitären westdeutschen Linksradikalen und die kambodschanischen Totschläger wurden Bruderparteien, was sich in regelrechten Huldigungen an die aus KBW-Sicht vorbildliche Politik der Roten Khmer manifestierte.

Seht, aus welchen Löchern sie gekrochen: Druckwerke des kommunistischen Bundes Westdeutschlands (KBW). Bemerkenswert viele führende Mitglieder dieser totalitären und verfassungsfeindlichen Partei, die sich noch 1978 mit den Roten Khmer verbrüderte, machten später Karriere bei den Grünen, aber auch zum Teil in der SPD sowie in der gesamtdeutschen SED (alias „SED-PDS“, „PDS“, „Die Linkspartei PDS“, „WASG/Die Linke“, „Die Linke“).

Seht, aus welchen Löchern sie gekrochen: Rote-Khmer-Bejubelung des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW).

Dieser nicht erst aus heutiger Sicht höchst unappetitliche Umstand wäre kaum noch einer besonderen Erwähnung wert. Wenn die sendungsbewußten Geister im Kader des KBW, der größten maoistischen Organisation der BRD, nicht nach dem Scheitern ihrer radikalkommunistischen Utopien ab 1980, zu deren Verwirklichung man nach Informationen des Verfassungsschutzes auch vor „psychischem Terror“ gegen die eigenen Mitglieder nicht zurückgeschreckt war, vor allem die Partei der „Grünen“ infiltriert und unterwandert hätten. Man könnte diesen Vorgang aus heutiger Sicht durchaus „systematisch“ nennen: Das achtstellige Millionenvermögen der als verfassungsfeindlich eingestuften Partei ging nach ihrer Auflösung im Jahre 1985 nahtlos über an einen – sieh an! – „Verein zur Förderung der grün-alternativen Bewegung“, über dessen konkretes Wirken man seitdem jedoch nie mehr etwas gehört hat.

Grüne Germanen mit „faschistoider, elitärer Moral“ von Steinzeit-Ökonomisten?

Mit solcher Propaganda schrieben sich „Linke“ in den 1970er Jahren ihr totalitäres Weltbild schön.

Mit solcher Propaganda schrieben sich „Linke“ in den 1970er Jahren ihr totalitäres Weltbild schön.

Aber damit immer noch nicht genug: Unter dem „grünen“ Außenminister Joseph „Joschka“ Fischer, einem einst berüchtigten Frankfurter Straßenkämpfer der „Sponti“-Szene, erhielt „Joscha“ Schmierer, der langjährige Möchtegern-„Führer der westdeutschen Arbeiterklasse“ im KBW, eine hochdotierte leitende Funktion als Chefstratege im Auswärtigen Amt, die ihm auch unter Fischers Nachfolger mit ähnlich linksradikaler Vergangenheit, Frank-Walter Steinmeier (SPD), bis zur Pensionsberechtigung nicht wieder genommen wurde. Unter Fischer und Steinmeier war Schmierer unter anderem zuständig für Grundsatzfragen der Europapolitik. Der Pol-Pot-Apologet der 1980er Jahre durfte ab 1999 zum Beispiel den eben von der sozialistischen Hegemonie befreiten Osteuropäern Ratschläge geben, wie diese „zivilgesellschaftliche Demokratie-Initiativen“ aufzubauen hätten.

Gleichwohl ist selbst Schmierer nur eine Spitze des großen Eisbergs: Der heutige nette Landesvater von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (KBW-Mitglied bis 1975), Ralf Fücks (heute Heinrich-Böll-Stiftung), Reinhard Bütikofer … die Liste der KBW-Kader und -Mitglieder der mit den Roten Khmer verbrüderten Partei, die ab 1979 in verblüffender Zahl, Geschmeidigkeit und Geschwindigkeit an die Spitze der Grünen aufstiegen, ließe sich erstaunlich lange fortsetzen. Einige, wie Ulla Schmidt, Krista Sager oder Ursula Lötzer gelangten auch an die Spitzen von SPD und SED. Die überwiegend ergrünten Ex-Kommunisten haben meist als sogenannte „Realos“ (!) die ursprünglich radikal-ökologisch und pazifistisch auftretende Partei in den Griff bekommen und sie ideologisch stark umgeformt. Schon kurz nachdem dies geschehen war, warnten zahlreiche politische Gegner vor dieser Gefahr für die demokratische Bundesrepublik: „Grüne Ideen gedeihen […] in den Luxusvillen der Schickeria. Ihnen geht es um den Umsturz dieses Staates, um eine andere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung […] Lassen sie sich von diesen Rattenfängern nicht einfangen.“ (Franz Josef Strauß, 1985-87) – „Die Grünen haben eine faschistoide, elitäre Moral, weil sie selber bestimmen, ob ein Gesetz für sie Gültigkeit hat oder nicht.“ (Heiner Geißler, 1986). Diese warnenden Stimmen waren bemerkenswert erfolglos.

Einige wenige westliche Linke baten Jahrzehnte später um Vergebung.

Immerhin gibt es auch einige erkennbar geläuterte ehemalige Mitglieder des KBW, die sich glaubwürdig von ihrer früheren Sympathie für den Totalitarismus losgesagt haben. Etwa der Historiker Jörg Baberowski. Einige weitere mutige „Verräter“, die heute nicht selten mit gewalttätigen und subtilen Übergriffen von Linksradikalen und Hirngewaschenen leben müssen mag man in dieser Liste finden. Das ändert zwar nichts an der weit verbreiteten und anhaltenden ideologischen Verblendung, die in der damals schon linkslastigen Wissenschaft und bei Südostasien-Experten keineswegs nur eine Außenseiterpositionen war: So war sich zum Beispiel die Redaktion der Zeitschrift Südostasien Informationen nicht zu schade, noch im Jahre 1990 – zwölf Jahre nach der Vertreibung der sozialistischen Massenmörder aus Phnom Penh –, den revisionischen Artikel eines Rote-Khmer-Apologeten aus Thailand zu veröffentlichen. Ein professoraler Herr เขียน ธีระวิทย์ Khian Thirawit („Khien Theeravit“) behauptete dort unter anderem, daß es ein Schlüssel zum besseren Verständnis des „hochkomplexen KambodschaProblems“ sei, daß „die demokratische (!) kambodschanische Regierung während der dreijährigen PolPotHerrschaft keinen Wert auf Öffentlichkeitsarbeit gelegt hätte, während andererseits die westlichen und sowjetischen Nachrichtenagenturen ein Interesse daran gehabt hätten, Pol Pot zu „dämonisieren“.

Zwei Bilder aus Kambodscha, fast zugleich entstanden. Links die Propaganda, wie sie auch im Westen von den linken Brüdern und Schwestern der Roten Khmer bereitwillig verbreitet wurde, rechts der von den Bejubelten selbst zur gleichen Zeit dokumentierte Genozid am eigenen Volk.

Zwei Bilder aus Kambodscha, fast zugleich entstanden. Links die Propaganda, wie sie im Westen von den linken Brüdern und Schwestern der Roten Khmer bereitwillig verbreitet wurde, rechts der von den Bejubelten selbst zur gleichen Zeit dokumentierte Genozid am eigenen Volk.

Es sind sogar einige ehemals linksradikale Pol-Pot-Freunde bekannt – wenn auch leider, soweit ich es recherchieren konnte, keine aus unserem so oft moralisch-überheblich auftretendem Land –, die das kambodschanische Volk bei späteren Besuchen um Vergebung für ihre frühere Unterstützung für diese Schlächter baten.

Auch wenn die Epigonen jener „Realos“, die heutigen Baerbocks und Habecks, schon aufgrund der Gnade ihrer späten Geburt das Terroregime Pol Pots nicht mehr selbst beklatschen konnten – und es vielleicht auch nicht getan hätten –, ist das von Ideologie getriebene Handeln heute zu ihrem Maßstab geworden. Sie scheinen vom Totalitarismus ihrer einst kommunistischen Vorgänger in dieser Partei beeinflußt, ja durchtränkt und begeistert zu sein. Im Deutschland der „Grünen Germanen“ ist heute zwar nicht der agrarkommunistische Egalitarismus („Steinzeitkommunismus“) der „Roten Khmer“ eine Antriebskraft, bestürzend erkennbar ist aber eine Art ideologischer „Klimakommunismus“, gepaart mit einer sich zusehens radikalisierenden „woken“ Gender- und „Vielfalts“-Ideologie, deren Hauptzweck es zu sein scheint, klare Gedanken und fruchtbare Diskussion unter offener und subtiler Androhung von Gewalt und Ausgrenzung („psychischer Terror“) schon im Keime zu ersticken – bis hin zur Existenzvernichtung von Mitmenschen mit unerwünschter „Haltung“, selbst wenn sie aus den eigenen Reihen stammen. Der „Steinzeitkommunismus“ der Roten Khmer hatte ein Ergebnis, wie es auch ein „Steinzeitökonomismus“ von Grünen Germanen haben könnte: Die vollkommene Zerstörung einer Gesellschaft mit Millionen von Opfern.

Ich habe Klaus Behling gefragt, wie er meine vorstehende Beschreibung als ehemaliger Diplomat und politischer Beobachter einordnet und welche Lehren wir heute überhaupt noch (oder wieder) aus den Vorgängen in Kambodscha von vor über vier Jahrzehnten ziehen könn(t)en. Seine Antwort:

Mir scheint, daß sich zum Beispiel der Klima-Totalitarismus der Grünen – den sie konsequent verfolgen, wo immer sie einen Zipfel der Macht ergreifen – hinter vermeintlichem Pragmatismus und subtiler Demagogie versteckt. Das führte schon dazu, dass Joschka Fischer die aus Friedenssehnsucht entstandene Partei gegen den Willen und Widerstand zahlreicher Mitglieder in den Partner eines völkerrechtswidrigen Krieges verwandeln konnte. Inzwischen ist es um den Protest der einstigen Protestpartei still geworden. Das erleichterte ihren heutigen Führern, auf den Einmarsch Russlands in die Ukraine selbst mit Kriegsgeschrei zu antworten. Sie lässt das ideologisch-apodiktische (unumstößliche) „wir sind die Guten“, ohne es zu hinterfragen, im Nebel verschwinden. Diese Arroganz erlaubt es Wirtschaftsminister Habeck, mit einem majestätischen „wir“ den Weg in eine wirtschaftlich und sozial gefährdete Gesellschaft als vermeintlichen Wunsch des Volkes zu erklären. Ebenso gestattete sie Außenministerin Baerbock entgegen jeglicher Diplomatie, anderen Ländern „massivste Schäden“, „Ruin“ und sogar den de facto eigenen Kriegseintritt durch nicht einmal mehr rhetorisch begrenzte Lieferungen „schwerer Waffen“ an ihre Gegner anzudrohen. Der grüne Landwirtschaftsminister Özdemir will Lebensmittel weiter verteuern, die Umweltministerin Lemke will Autos abschaffen. – Gewählt haben diese Grünen gerade einmal knapp 6,9 Millionen von 61,18 Millionen Wahlberechtigten 2021 in Deutschland.
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Die Roten Khmer verzichteten hingegen konsequent sogar auf eine solch dünne demokratische Legitimation. Und auch ihr agrarkommunistische Egalitarismus ging viel weiter als die grünen Zukunftspläne. Dennoch erinnern nicht wenige der damaligen roten Utopien an die heutigen grünen Pläne. Auch die kambodschanischen Massenmörder „kämpften“ für eine vermeintlich „gute Sache“.
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Vor mehr als zweitausend Jahren erkannte der römische Dichter Ovid: „Wehre den Anfängen! Zu spät wird die Medizin bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern erstarkt sind.“ Genau diese Anfänge sind es, die die einstmals linksradikale Szene der alten Bundesrepublik mit den Grünen von heute verbindet. Inzwischen sitzen sie an den Töpfen und Schalthebeln der Macht und entscheiden über das Leben von über 80 Millionen Menschen. Diese „neuen Kräfte“ mit alter Denkweise schrecken aus ideologischen Gründen offenbar nicht einmal vor der Inkaufnahme eines Krieges mit einer Atommacht zurück. Sie machen Deutschland zum nützlichen Helfer der hegemonialen Großmacht USA und treiben es aktiv in den Stellvertreterkrieg einer wirtschaftlichen und militärischen Konfrontation mit Russland. Dabei scheinen sie den wirtschaftlichen Niedergang des eigenen Volkes, dessen Wohl zu mehren sie eigentlich geschworen haben, von ihrer abgehobenen und bürgerfernen ideologischen Warte aus bereitwillig in Kauf zu nehmen.
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Das deutsche Strafgesetzbuch (StGB) kennt solches Handeln als „Hochverrat“ (§§ 81–83a). Die Tat ist ein sogenanntes „Unternehmensdelikt“, bei dem der Versuch genauso bestraft wird wie die Vollendung.

Weiter meint Behling:

Es hat sich eine Betrachtung eingebürgert, daß Meinungsäußerungen, die aus dieser oder jener „Ecke“ kommen, a priori „bewertet“ werden, das heißt, ohne daß sie überhaupt gelesen oder gehört wurden. Das widerspricht meiner Meinung nach dem Grundsatz jeder Meinungsfreiheit. In der DDR gab es in der SED den oft und gern gebrauchten Satz „Wie habe ich das zu sehen?“. In verschiedenen Religionen gibt es das auch. Ich weiß nicht, woher heute die grassierende Angst kommt, etwas Unbotmäßiges zu sagen. Wer hat uns soweit gebracht?
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Wer von Krieg „gewinnen“ oder „verlieren“ spricht, hat offenbar nicht begriffen, dass es langfristig nichts zu gewinnen gibt. Auch die Sowjetunion hat den zweiten Weltkrieg letztlich nicht „gewonnen“, wie sich ja 50 Jahre später zeigte. Die nach dem Ersten Weltkrieg künstlich geschaffenen Staaten wie Jugoslawien oder die Tschechoslowakei zerfielen – alles unter Entstehen neuer und erheblicher Unsicherheiten. Letztlich können alle immer nur verlieren. Nun sind wir gerade wieder einmal dabei.

Klaus Behling hat ein flüssig und allgemeinverständlich geschriebenes Buch mit zahlreichen informativen Fußnoten abgeliefert, die zudem alle unter dem Text auf der gleichen Seite stehen. Dies stellt heutzutage alleine schon eine leser- und lesefreundliche typographische Großtat dar!. Man darf Behling möglichst viele historisch und politisch nicht nur an Südostasien interessierte und weiterdenkende Leser wünschen. Sie werden in dieser hoffentlich auch wegbereitenden Arbeit lediglich Illustrationen und ein Register vermissen, letzteres durchaus schmerzlich. Die nicht vorhandenen Illustrationen erklärt der Autor mit dem Verlust seiner bereits im Jahre 1990 einmal für ein Buch vorgesehenen persönlichen Bilder und Dokumente. Die Originale, von denen er keine Kopien besaß, verschwanden im verantwortlichen einstigen „DDR“-Verlag, der „abgewickelt“ wurde.

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Klaus Behling: Kambodscha und VietnamKlaus Behling: Zwischen Bruderbund und Todfeindschaft: Kambodscha und Vietnam in den Jahren 1970 bis 1979 vor dem Hintergrund ihrer Beziehungen zum Ostblock. („Hamburger Südostasienstudien“ ISSN 1866-3982.) Segnitz bei Würzburg: Zenos Verlag 2022, broschiert, 413 Seiten, ISBN 978-3-931018-30-6, 24,80 Euro. Dem Buch vorangestellt ist eine eingehende, englisch geschriebene Zusammenfassung.

Bestellung bei Zenos Verlag, Brückengasse 2, 97340 Segnitz, Email: 2[ät]zenos-verlag.de oder über den Buchhandel. Alle Lieferungen innerhalb Deutschlands erfolgen bei Direktbestellung portofrei. Lieferung ins Ausland gegen Berechnung der reinen zusätzlichen Portokosten.

Weiterführende Information und Quellen:

Alle oben abgebildeten Kambodscha-Meldungen der SED-Presse wurden so bearbeitet, daß ohne weiteren Erklärtext der jeweilige Erscheinungstag erkennbar ist. Der ferner abgebildete Kambodscha-Artikel vom 29. August 1990 wird hier mit freundlicher Genehmigung des Urhebers dokumentiert. – Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Thema interessiert darüber hinaus Klaus Behlings gleichzeitig entstandener und am 5. September im gleichen Blatt auf Seite 4 erschienener Aufsatz „Auf zwiespältiger Suche nach neuen Wegen in Vietnam“, der nach dem Registrieren hier gelesen oder auch kostenfrei heruntergeladen werden kann.

1. Filme:

Es gibt zwei sehenswerte Dokumentarfilme aus DDR-Zeiten zu diesem Thema: „Die Angkar“ und „Kampuchea, Sterben und Auferstehen“ des Studios Heynowski und Scheumann. Kostenlos sind nur Schnipsel dieser Filme zu finden, lediglich englisch übersprochen (mit einem entsetzlich nervenden deutschen Akzent) kann man „Sterben und Auferstehen“ derzeit kostenlos ansehen, und zwar hier: https://vimeo.com/118889625

Diese Version des Films ist außerdem hier eingebettet: https://www.cambodianmoments.com/kampuchea-death-and-rebirth-1980-documentary/
Deutsch gibt es beide Kambodscha-Filme für einen geringen Beitrag zu kaufen: https://vimeo.com/ondemand/studiohs4
Weiterer Film: Genossen. Brüder. Killing Fields https://www.youtube.com/watch?v=K1Mfr7IU6S4

2. Bücher:

Stéphanie Benzaquen-Gautier: Images of Khmer Rouge atrocities. (Kostenlos als pdf.)

3. Links:

•  Propaganda der Roten Khmer auf archive.org.
•  Offizielle Kambodscha-Bilder aus dem DDR-Archiv (unter „Suche“ „Kambodscha“ eingeben).
•  Nützliche ldioten: Dokumentation der vor allem westlichen Pol-Pot-Versteher und -Bejubler.
•  Noch mehr, hier vor allem deutsche nützliche ldioten (englischer Text).
•  Virtuelles Museum, beeindruckende Bilder.
•  Literaturverzeichnis (Englisch).
•  Massenmörder wie Mao und Pol Pot als ideologische Vorbilder heutiger Grünen-Politiker?
•  EIN ehemals linker Pol-Pot-Bejubler bat die Kambodschaner um Vergebung.
• „Ostdeutschland war das Paradies für sie.“ Studenten aus Kambodscha in der „DDR“.
• „Der Spiegel“ – Fotostrecke: Die Verbrechen der Roten Khmer.
• „Der Spiegel“ – Geschichte einer kambodschanischen Familie im realen Sozialismus.
• „Der Spiegel“ – „Neutral“ und verlogen: Wie Thailand das Leid der Kambodschaner um Jahre verlängerte.
•  Die Bundesrepublik unter Helmut Schmidt blieb während des Genozids in Kambodscha untätig.
• „DLF“ (als der Staatsfunk noch ohne linksradikales („wokes“) Neusprech auskam): 40 Jahre nach dem Genozid.

Weitere Bücher von Klaus Behling: https://www.booklooker.de/Bücher/Angebote/autor=Klaus+Behling

Anmerkung: Ich verwende die Begriffe „kommunistisch“ und „sozialistisch“ synonym, Ebenso sei darauf hingewiesen, daß die Eigenbezeichnung Kambodschas (frz. „Le Cambodge“, engl. „Cambodia“, thai กัมพูชา „Kamphucha“) in der Khmer-Sprache heute (!) „Kâmpŭchéa“ ist, daß jedoch nach außen nur in der Zeit der Pol-Pot Herrschaft auf diese Schreibweise ausgesprochener Wert gelegt wurde. Selbst damals wurde diese Sprachregelung aber nur im ausgesprochen linken Milieu bereitwillig übernommen, so etwa in den Neusprech-gewohnten „sozialistischen Bruderländern“ der Rote-Khmer-Tyrannei sowie bezeichnenderweise von westlichen linientreuen Sympathisanten derselben wie etwa westdeutschen „K-Gruppen“.

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